Opel Ascona 400

Opel Ascona 400 – von einem der auszog, die „Monte“ zu gewinnen

Bereits in den 70er Jahren war es Opel gelungen, sich als feste Größe im nationalen wie internationalen Rallye-Geschäft zu etablieren: das französische Greder-Racing-Team schickt Marie-Claude Beaumont ins Rennen, und die ebenso rasante wie attraktive Französin gewinnt zweimal den Damenpokal der Rallye Monte Carlo (u.a. auf Commodore A) und den Damentitel der Rallye-Europameisterschaft 1972.

 

Überhaupt erweist sich das Jahr 1972 als echtes Erfolgsjahr für Opel: 19 Gesamt- und 550 Sportpokal-Klassensiege vermelden Opel-Rallye-Fahrer weltweit, was nicht zuletzt auf die mittlerweile in vielen Ländern ins Leben gerufenen Opel-Händler-Rallye-Teams und die Gründung der Rüsselsheimer Abteilung „Sportförderung“ zurückzuführen ist. Der Erfolg gab dieser seit 1968 bestehenden (und von GM Detroit geduldeten) Abteilung recht, sie wächst kontinuierlich und bringt 1974 in Gestalt des Ascona A Rallye ihr erstes „eigenes“ Fahrzeug hervor. Als Herzstück fungiert ein neu entwickelter Querstrom-Motor, der zwischen 175 und über 200 PS mobilisiert und das Team Walter Röhrl / Jochen Berger 1974 zum Titelgewinn der Rallye-Europameisterschaft katapultiert. 

 

Anstelle des Ascona A Rallye, der Walter Röhrl und seinen Co-Piloten Jochen Berger endgültig zum internationalen Durchbruch verholfen hatte, tritt 1976 der Kadett C GT/E, mit dem Walter Röhrl nicht „warm“ wird. Oft fällt der Kadett aus, nur bei der „Monte“ nicht, als Röhrl mit einem in allen Belangen unterlegenen Auto Vierter hinter drei Lancia Stratos wird. Ja, richtig gelesen, Lancia Stratos, jener kompromißlose Faustkeil, der von Anfang an für den Rallye-Sport konzipiert worden war und die Rallye-Weltmeisterschaften 1974, 1975 und 1976 für sich entschied. 

 

 

Walter Röhrl wechselt 1977 zu Fiat, während die Opel Vorstandsetage dem Projekt „Ascona 400“ ihren Segen erteilt: auf Basis des 1975 präsentierten Ascona B ensteht ein auch äußerlich attraktives Sportgerät, das seine wahre Finesse jedoch unter dem Blech- und Kunststoff-Kleid trägt: ein 2,4-Liter-Reihenvierzylinder-Motor mit einem 16V-Querstromkopf von Cosworth, der z.B. mit Weber-Vergaser-Beatmung vom Typ 48 DCOE bereits rund 250 muntere Pferdestärken auf die Kurbelwelle bringt.

 

Warum die Modellbezeichnung „400“? Weil die damalige Rallye-Gruppe 4 vierhundert produzierte Einheiten für die erfolgreiche Homologation vorsah. Die Weltpermiere (und gleichzeitige „Feuertaufe“) des Ascona 400 fand, wie sollte es anders sein, bei der Rallye Monte Carlo 1980 statt, und schon dieses erste Debut machte deutlich, wie hoch die Opel Rallye-Profis um Sportchef Tony Fall und Chef-Ingenieur Erich Koch die Messlatte gelegt hatten: der Schwede Anders Kulläng belegt den vierten Platz, „Jochi“ Kleint wird Achter.

 

Es sollte der Beginn einer wunderbaren Erfolgsserie werden, die nicht nur den Ascona 400 endgültig zum „Über-Opel“ machte, sondern auchder Marke Opel zu einem enormen Image-Gewinn in Sachen sportliche Fahrzeuge verhalf. 

 

 In der folgenden Saison 1981 sollte der 4. Platz in der Rallye-Markenweltmeisterschaft herausspringen, und daß, obwohl ein neues Fahrzeug in den Rallye-Zirkus eingestiegen war und Opel in der Saison 1982 kräftig (und mit Allradantrieb) einheizen sollte: der Audi Quattro.

 

Die Saison 1982 stand im Zeichen optischer und finanzieller Veränderungen: Opel hatte sich fest vorgenommen, mit dem bisher sehr zuverlässigen und erfolgreichen Ascona 400 eine komplette WM-Saison zu bestreiten, doch das war (wie auch bei der Konkurrenz) nicht ohne große Sponsoren möglich. Zwar waren treue und namhafte Partner wie z.B. Ronal (Leichtmetallräder), Michelin (Reifen) und Bilstein (Stoßdämpfer) nach wie vor mit von der Partie, aber deren Unterstützung reichte nicht für eine ganze Saison mit einer kompletten Truppe vom Techniker bis zum Arzt, die um die Welt reisen musste. So kam es, daß der britische Tabak-Gigant Rothmans mit seinen markanten Farben dunkelblau und rot 1982 in den Ring stieg und fortan das Erscheinungsbild des Rallye Ascona 400 prägte. Und: Opel konnte Walter Röhrl verpflichten, der die Rallye-WM 1981 auf Fiat 131 gewonnen hatte.

 

"So wird's gemacht..."

„Audi gegen Opel“ lautete das deutsche Duell in der Rallye-Saison 1982. Mit dem Audi Quattro und seinem Allradantrieb hielt eine weitere „Neuerung“ Einzug: die junge Französin Michèle Mouton schickte sich an, die Männer-Domäne aufzumischen. Sie gewinnt die Rallye Portugal, und nach zwei WM-Läufensteht Audi auf Platz 1 der Marken-WM. Nach drei Läufen wendet sich wieder das Blatt, Opel ist führende WM-Marke, Walter Röhrl bleibt führender WM-Fahrer.

 

 

Der Rest ist (eindrucksvolle) Geschichte: das Kopf-an-Kopf-Rennen Mouton-Röhrl und damit Audi-Opel bleibt über die ganze Saison spannend und fesselt die nationalen wie internationalen Rallye-Fans: schafft es die rasante Französin mit dem scheinbar auf der Strecke klebenden Audi Quattro, oder kann der kühl wirkende Analytiker und amtierende Weltmeister Walter Röhrl mit dem heckgetriebenen Ascona 400 die WM nach Rüsselsheim tragen? Er konnte, gewinnt die „Monte“ und die Rallye Elfenbeinküste und sichert sich mit seinem Co-Piloten Christian Geistdörfer bereits vor dem letzten WM-Lauf zur britischen RAC-Rallye den Fahrer-WM-Titel auf Opel Ascona. Ein Sieg der Zuverlässigkeit!

 

 

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