Opel Manta 400

Opel Manta 400 - „schweres Erbe“

 

Er hat es nicht leicht, steht er doch seit 1982 im Schatten seines Vorgängers Ascona 400, der mit Walter Röhrl am Volant einen eindrucksvollen Fahrer-WM-Titel in der Rallye-Weltmeisterschaft desselben Jahres einfuhr und die übermächtigen Audi Quattro auf die Plätze verwies.

Dabei hätte theoretisch alles ganz anders kommen können. Doch der Reihe nach. Nach überaus erfolgreichen Rallye-Jahren (z.B. Rallye-Europameister 1974 mit Ascona A) begann Opel Ende der 70er Jahre mit der Entwicklung eines speziell auf den Rallye-Einsatz zugeschnittenen „Über-Ascona“ auf Basis des 1975 vorgestellten Ascona B. 1979 war es dann soweit, der Ascona 400 wurde der Fachwelt vorgestellt. Einerseits bestand dieser aus für den Rallyesport optimierten und verstärkten Serien-Teilen, andererseits gab es handfeste technische Neuerungen: ein mit einem Aluminium-Querstrom-Zylinderkopf und 16 Ventilen bestückten 2,4 Liter Vierzylinder-Motor, der bereits in der „zahmen“ Einspritzer-Basisversion 144 PS lieferte und mittels Vergaser-Beatmung in Phase 1 schon auf gut 250 PS kam.

Cosworth in England zeichnete für diese Entwicklung verantwortlich, und nachdem bis zum Herbst 1979 die erforderlichen 400 Homologations-Exemplare im GM-Werk in Antwerpen gefertigt waren (daher die Modellbezeichnung „400“), erfolgte pünktlich zum 1. Oktober die Homologation des Ascona 400 für die damalige Rallye-Gruppe 4. Was folgt, sind zwei Lehrjahre, die sich aber mit insgesamt neun Plazierungen unter den Top-Fünf (und nur 5 Ausfällen) bei 14 WM-Läufen sehen lassen konnte. 1982 sollte man dann zum großen Schlag ausholen: Walter Röhrl rang die Quattro-Übermacht aus Ingolstadt nieder und holte den Rallye Monte Carlo Sieg, der fast wertvoller als der Rallye-WM-Gesamtsieg ist. Aber auch dieser Titel (Fahrertitel) ging an den schlaksigen Regensburger, als er die Rallye Elfenbeinküste für sich entscheiden konnte.

 

 

Und der Manta 400? Der sollte ursprünglich am 1. April 1982 für die neue Rallye-Gruppe B homologiert sein, was sich aber lange verzögerte, da die geforderte Homologationsstückzahl von nunmehr 200 (anstelle 400) Fahrzeugen nicht nachgewiesen werden konnte. Dies war im Frühjahr 1983 endlich der Fall, da nun auch Opel Haustuner Irmscher in die Fertigung miteinbezogen war. Doch da hatte der Ascona 400 bereits wertvolle Siege errungen und den „Professor“ Walter Röhrl zum Weltmeister-Fahrer gemacht.Durch die Verzögerungen bei der Homologation musste Opel bei der `83er Auflage der „Monte“ auf den Manta 400 verzichten und trat wie im siegreichen Vorjahr mit dem Ascona an, doch es reichte am Ende nur für einen 5. Platz.

Technisch identisch, verfügte der Manta 400 über „kampferprobtes“ Material, und viel Feinschliff durch neue, leichte Werkstoffe wie z.B. Kevlar sorgte für ein exzellentes Leistungsgewicht von rund 960 Kg. 1983 entscheidet der Manta 400 die deutsche Rallye-Meisterschaft für sich, und auch auf europäischer Ebene behauptet er sich bestens: Gewinn der französischen Rallye-Meisterschaft durch Guy Frequelin und Jean Francois Fanchille, Sieg bei der Manx-Trophy auf der englischen Isle of Man durch den unvergessenen Henri Toivonen zusammen mit Fred Gallagher, Gewinn der Zypern-Rallye durch Jimmy Mc Rae. Opel wird dänischer und schwedischer Rallyemeister, und quasi nebenbei heimst man auch noch einen WM-Titel ein: Opel gewinnt mit dem Manta 400 die Rallye-Marken-Weltmeisterschaft in der Gruppe A! 1984 stürzt sich Opel mit dem Manta 400 in das Rallye-Spektakel Paris-Dakar, um nach 20 Tagen härtester Materialschlacht als strahlender Sieger in der Wüste dazustehen: Erster unter den nicht allradgetriebenen Fahrzeugen, Vierter im Gesamtklassement hinter einem Allrad-Porsche, einem Range Rover und einem Mitsubishi Pajero – wenn das nichts ist!

Und die „Monte“ 1984? Hier war leider wie im Vorjahr mit einem 15. Platz nicht viel zu holen, zu groß war mittlerweile die Übermacht der allradgetriebenen Boliden vom Schlage eines Audi Quattro S2 oder eines Lancia 037 – kompromißlose Rallye-Geräte, die für eine neue Ära im Rallyesport standen und mit relativ seriennahen Fahrzeugen im Prinzip nichts mehr zu tun hatten.

 

Der weitere Verlauf des Jahres 1984 beschert dem Manta 400 den Vize-Titel bei der Safari-Rallye durch Rauno Aaltonen, sowie den Vize-Meistertitel unter Erwin Weber bei der deutschen Rallyemeisterschaft. Langsam reift bei Opel die Erkenntnis, daß man gegen die nun mittlerweile fast ausnahmslos mit Allradantrieb operierende Konkurrenz nicht mehr viel ausrichten kann. So löst auf der IAA 1985 offiziell der Rallye Kadett E GSI 4x4 den Manta 400 als Opel Rallyefahrzeug ab. Die erfolgreiche (und heckgetriebene) Ära „400“ im Hause Opel, die sich mit unzähligen nationalen und internationalen Titeln mehr als sehen lassen kann, geht zu Ende!

 

Manta 400 Serien-Version

Insgesamt wurden 245 Manta 400 im GM-Werk Antwerpen gefertigt. Sie alle waren schmale Versionen, die im Falle eines Kundenwunsches nach einer Breitversion bei Irmscher in Remshalden entsprechend modifiziert wurden. Konkret bedeutete dies breite, einteilige vordere GFK-Kotflügel sowie Kotflügel-Verbreiterungen hinten in Kombination mit Ronal-Lichtmetallrädern in der Dimension 8x15 ET 23 (Vorderachse) bzw. 8x15 ET 3 (Hinterachse), Bereifung rundum 225/50 R 15. Als Außenfarben standen weiß, silber und schwarz zur Auswahl, innen verfügen alle Manta 400 über das typische „400er“ Velour-Stoffmuster, das das gerasterte Opel-Emblem zeigt. Der 2,4 Liter Reihen-Vierzylinder-DOHC-Motor leistet in der Serien-Version 144 PS und ist mit einer Bosch L-Jetronic ausgerüstet, die Kraftübertragung erfolgt über ein 5-Gang-Schaltgetriebe (Getrag). Gebremst wird rundum über Scheiben (vorne innenbelüftet). Abgesehen vom bei Cosworth in England entwickelten Motor (insbesondere der Aluminium-Querstrom-16V-Zylinderkopf) ist der Manta 400 (wie sein Vorgänger Ascona) weitgehend ein Komponenten-Auto, d.h. neben vielen Serienteilen des normalen Manta B sind z.B. Achs- und Bremskomponenten vom größeren Commodore.

 

 

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